Ein Besuch bei der Credit Exhibit in Hamburg

Beitrag zur Credit Exhibit in Hamburg

31.August bis 03. September 2017

Wir haben Ende August an der Credit Exhibit in Hamburg teilgenommen und uns mit dem Thema des Elbtowers beschäftigt. Im Rahmen einer interaktiven Installation haben wir die Besucher gefragt, was ihre städtebaulichen Vorstellungen für dieses Stück Land sind. Alle Teilnehmer*innen bauen auf den Ergebnissen der vorigen Beiträge auf. Sie erhalten eine individuelle ID und ordnen sich somit einer Gruppe zu. Das Resultat können Sie auf dieser Seite sehen.

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Tor zur Stadt

 

Nachdem die Elbphilharmonie als Konzerthaus und Begegnungsstätte zu Beginn des Jahres 2017 feierlich eröffnet wurde, plante Hamburgs damaliger Bürgermeister Olaf Scholz bereits das nächste Großprojekt – diesmal ganz ohne den Einsatz von Steuergeldern. Die Rede ist vom sogenannten „Elbtower“. Bereits vor mehr als 20 Jahren schlug der berühmte Hamburger Architekt Volkwin Marg mit seiner „Prinzipskizze“ am Ende des Entwicklungsgebiets der HafenCity zwischen den Elbbrücken zwei markante Hochhäuser vor.

Inzwischen befindet sich ein Großteil des zweiten Bauabschnitts der HafenCity in der Realisierung und die Planungen für einen städtebaulichen Hochpunkt konkretisieren sich. Auf einer Veranstaltung am 8. März 2017 stellten der Bürgermeister, der Oberbaudirektor und der Chef der HafenCity-Gesellschaft das Bauvorhaben eines Hochhauses mit ca. 200 Meter Höhe vor. Das Gebäude soll von Süden kommend als Tor den Beginn der Stadt markieren und ein Zeichen für Hamburgs Wirtschaftskraft darstellen.

Zum Zeitpunkt der Ausstellung lief die internationale Ausschreibung für das Projekt, auf das sich Investoren zusammen mit herausragenden Architekten bewerben konnten.

Die falsche Diskussion

In der Auseinandersetzung mit der Thematik rund um den Elbtower ist uns aufgefallen, dass sich der Diskurs auf einem rein formalen Niveau bewegt. Die Frage nach einem städtebaulichen Konzept, das der Stadt und ihren Bewohnern ein adäquates Lebensumfeld schafft, wurde ungenügend thematisiert.

Stattdessen dienen alte Skizzen und Visionen einzelner Architekten als Basis für eine Ausschreibung, die eine möglichst ausdrucksstarke, einzelne Architektur befördern soll.

Anstatt eine offene und nachhaltige Stadtplanung zu fokussieren, liegt das Augenmerk der Initiatoren auf dem Symbolcharakter dieses Bauwerks – die Strahlkraft des städtebaulichen Hochpunkts gilt als weitaus wichtiger, als die programmatische Einbindung und unmittelbare Wirkung im Quartier.

Das richtige Symbol

Die Typologie hoher Bauwerke und Hochhäuser ist stark durch ihre Symbolhaftigkeit geprägt. Momentan scheint die formale Ausgestaltung des Elbtowers allein ein Symbol der Politik und Wirtschaftskraft zusein.

Was denken Sie?

Wir wollen die Mühlen noch einmal etwas zurückdrehen – entgegen der festen Überzeugung eines Hochhauses an diesem Standort, möchten wir Sie nach Ihrer Position befragen: Welche Nutzungen halten Sie an diesem Ort für angebracht? Ist ein Büro-Hochhaus wirklich gut für die Nachbarschaft? Wo könnten öffentliche und wo bebaute Flächen entstehen und wie könnte ein alternativer Städtebau aussehen?

Heatmap bevorzugter Funktionen

Um die Diskussion auf einen städtebaulich-programmatischen Schwerpunkt zu lenken, bedienen wir uns der Darstellung einer dreidimensionalen Wärmekarte („Heatmap“), wie sie aus Wetterbildern oder in der Analyse von Websites bekannt ist. Die unterschiedlichen Farbigkeiten spiegeln jeweils verschiedene städtische Nutzungen wieder. Diese Darstellung ermöglicht jedem Teilnehmer eine diagrammatische Abbildung von Nutzungsschwerpunkten zu erzeugen und somit ein urbanes Schema für eine mögliche Bebauung aufzustellen. Das Resultat ist nicht als konkretes Gebäude zu verstehen, sondern viel mehr als 3D-Optionsraum.

Insgesamt tragen bis zu 30 Personen mit ihren Meinungen zu einem kollektiven Modell bei. Die gesammelten Daten aus dieser diagrammatischen Arbeit können im weiteren Verlauf zur Verhandlung eines architektonischen Beitrags dienen.