IN3 Planungstisch

Integrated Infrastructure

Das präsentierte Projekt ist innerhalb des Forschungsprojekts „Integrated Infrastructure (IN³)“ der Bauhaus-Universität Weimar und Addis Abeba Universität entstanden. Unser Partner Martin Dennemark ist Teil des interdisziplinären Teams, das eine Integrierte Planungs-Strategie (IPS) für wachsende Städte in Äthiopien konzipiert und entwickelt. In seiner Rolle ist er maßgeblich für die Umsetzung prototypischer Tools zur integralen Planung und Partizipation verantwortlich. Das jüngste Resultat des Teams ist ein Planungstisch (Urban Planning Table), der räumlich, ökologisch und ökonomische Auswirkungen von Bevölkerungswachstum eines Dorfes zu einer Stadt von 10.000 Einwohnern veranschaulicht.

Eine ausführliche englische Version zum Aufbau des Planungstisches ist auf der der DeCodingSpaces Website veröffentlicht.

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Urban Planning Table

Viele verschiedene Akteure wie Behörden, Planer, Investoren oder Anwohner sind in den Stadtplanungsprozess eingebunden. Die Koordination und Kommunikation zwischen den beteiligten Parteien ist oft schwierig, zumal nicht alle über den gleichen Wissensstand verfügen. Dies ist besonders problematisch, wenn Pläne nicht von den Personen verstanden werden, die von den Entscheidungen betroffen sind.

Im Rahmen des Forschungsprojektes sollen Planungsbeteiligte bei der Entwicklung äthiopischer Dörfer zu Städten unterstützt werden. Zum einen werden digitale Tools zur schnellen Stadtplanung entwickelt und mit involvierten lokalen Akteuren diskutiert. Zum anderen wird mit erklärenden Kommunikationsinstrumenten experimentiert, um Dorfbewohnern und lokalen Behörden einen benutzerfreundlichen und spielerischen Zugang zur Planung zu ermöglichen und um dadurch eine bewusste, partizipative Entscheidungsfindung zu ermöglichen.

Die äthiopische Botschafterin in Deutschland (rechts) lässt sich das Projekt erklären.

Das jüngste Ergebnis ist ein Planungtisch, der, angelehnt an Spielmechaniken, schrittweise Planungsaspekte und deren Abhängigkeiten erklärt. Nutzende sollen dadurch langsam an die Komplexität und Herausforderung der Stadtplanung herangeführt werden. Sie erhalten dabei Kontrolle über Parameter, wie die Lage des Stadtzentrums, der Industrie, des Wassertanks oder auch der Gewichtung von Natur, sowie Arbeitsplätze. Es lassen sich somit eine Vielzahl von städtebaulichen Szenarien partizipativ erkunden. Über eine Echtzeit-Evaluierung relevanter Aspekte, wie Fußläufigkeit, Luftqualität, Naturbezug, Arbeitsplätze und Bezahlbarkeit und Leistung der Wasserinfrastruktur, erhalten die Nutzenden direktes Feedback über ihr Szenario und schaffen eine Vergleichbarkeit. Der Planungstisch integriert somit harte Faktoren, die vom Computer berechnet wurden, mit weichen Faktoren, die in Diskussionsrunden evaluiert werden. Personen, die wenig über Stadtplanung wissen, können so schon in frühen Stadien des Planungsprozesses beteiligt werden und erhalten wichtige Entscheidungsfindungs-Kompetenzen.