Symbiosis within Uncertainty

Symbiosis within Uncertainty

Master Thesis Max Rudolph

CHORA – Concious City | Prof. Raoul Bunschoten
IfA – Institut für Architektur
Technische Universität Berlin

Fakultätspreis 2017, Technische Universität Berlin

Abstract

Die Symbiose in der Unbeständigkeit – der Titel der Masterarbeit, entstanden an der Technischen Universität Berlin, arbeitet mit dem Wandel. Der Wandel zieht sich durch unser aller Leben. Wir erlernen neue Fähigkeiten und eignen uns neues Wissen an. Das verändert uns, unsere Ansprüche, Bedürfnisse und Wünsche. So wie sich der Wandel durch das Leben eines jeden Individuums zieht, prägt er in zunehmend beschleunigtem Maße auch die Kollektivität der Gesellschaft. Technische Neuerungen verändern die Art und Weise wie wir kommunizieren, unser Wissen verteilen und unsere Welt benutzen. Dies führt zu einem gänzlich vernetzten Planeten – einer Symbiose verschiedener Kulturen und Lebensentwürfe innerhalb enger werdender Städte – und lässt uns tradierte, hierarchisch organisierte Systeme hinterfragen.

Architektur war immer schon ein Teil dieser linear operierenden Systeme und wurde immer schon zur Produktion von Bilderwelten und somit auch zur Manipulation genutzt. Sei es in der Monarchie, Diktatur oder der Demokratie – ihre Erscheinung sollte stets ein Abbild dessen sein, was unsere Gemeinschaft technologisch und politisch zu leisten vermag. Seit der Separierung des Ingenieurs vom Architekten erleben wir, verbunden mit einem kontinuierlichen Technologiezuwachs, eine Aufsplittung des Berufsfeldes in viele einzelne Teilbereiche. Neue Erkenntnisse über uns und unsere Umwelt in einem nie endenden Meer aus Informationen, lassen uns heutzutage viele, teils aus Überforderung oder Selbstdarstellung geborene, unterschiedliche Geschichten erzählen.

Meine Geschichte handelt davon, wie die Vorteile der Informationstechnologie genutzt werden können, um die Vielschichtigkeit einer Bewohnerschaft in einem zeitgenössischen Entwurfs- und Verhandlungsprozess abzubilden. Die Architektur könnte dadurch ihren Symbolcharakter abstreifen und zur lesbaren Konsequenz dieser Prozesse werden. Mit der Ausarbeitung eines Entwurfs als Gegenvorschlag zum Wettbewerbsgewinn des Wohn- und Hotelturms, den Frank O. Gehry am Berliner Alexanderplatz entwarf, distanziere ich mich hiermit von einer Architektur der Autorenschaft. 

Es ist zu beobachten, wie die Urbanisierung und Wiederentdeckung der Qualitäten des innerstädtischen Wohnens den Wohnraum in den wirtschaftlichen und kulturellen Zentren weltweit verknappen und verteuern. Seit rund einem guten Jahrzehnt zeichnet sich auch in einigen deutschen Großstädten eine positive Bevölkerungsentwicklung ab: während hier Suburbanisierungstendenzen rückläufig sind, erfahren diese eine steigende Zahl an Zuzügen. Auch Berlin wächst und wird zunehmend, wenn auch langsam, auf den wenigen verbleibenden innerstädtischen Restflächen verdichtet. Angebot und Nachfrage lassen die Preise steigen und die Stadt exklusiv und homogen werden. Berlins Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Andreas Geisel, hat unlängst zwölf große Wohnungsbaustandorte vorgestellt hat. Diese sollen einen bedeutenden Teil der jährlich 15.000 bis 20.000 neuen Wohnungen aufnehmen. Städtische Regulationsmechanismen sowie althergebrachte Bauprozesse sind träge und können keine raschen Lösungen anbieten.
Andererseits leben wir in einer vernetzten, immer schneller werdenden Welt. Digitaler Austausch und beschleunigter Informationsfluss lassen uns gezielt spezifisches Wissen transferieren. Das ermöglicht massenweise individuelle Meinungsäußerung zu jedem gesellschaftlichen Thema. In der Konsequenz wollen Bürgerinnen und Bürger, wie z. B. Stuttgart21 deutlich macht, bei der Gestaltung ihrer Umwelt mitwirken. Auch innerhalb der Bauwirtschaft erfahren Demokratisierungsprozesse in Form von Baugemeinschaften vermehrt Popularität. Dennoch zeigt sich, dass Partizipationsprozesse nicht immer problemfrei von statten gehen: Der Mediationsprozess stellt sich für den Architekten oftmals als mühsam und langwierig dar. Hinzu kommt, dass das Modell der Baugemeinschaften im Geschosswohnungsbau nicht unbegrenzt skalierbar ist.

Ein Grund hierfür könnte auch die mangelnde Rücksichtnahme der Projektentwickler auf die zukünftigen Bewohner darstellen – die Wahl unter einer Hand voll vorgefertigter Grundrisse ist oftmals die einzige Entscheidung, die Kunden treffen können. Mithilfe der Informationstechnologie und damit der Möglichkeit, komplexe Sachverhalte begreif- und steuerbar zu machen, eröffnen sich auch im Umgang mit Massenwohnungsbau und der Nutzungsvielfalt neue Potenziale. Größenverhältnisse, wie die der angestrebten Wohnungsbaustandorte in Berlin, könnten sich für partizipatorische Prozesse öffnen. Entgegen der gängigen Praxis, würde der Architekt in seiner Position als formalistisch entscheidende Autorität entmachtet werden.

Die Form würde sich nicht mehr nach den subjektiven Schönheitsvorstellungen des Architekten, sondern vielmehr nach den individuellen Bedürfnissen der Bewohner richten.Ziel ist es, ein mögliches Alternativszenario zur gängigen Wohnungsbaupraxis zu schaffen und die prozessuale Herangehensweise auf ähnliche Situationen zu übertragen.
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